Selbstversorgung in Corona-Zeiten – Die GemüseAckerdemie im Landkreis München

Gemüseackerdemie

Das vom Landkreis geförderte ganzjährige theorie- und praxisbasierte Bildungsprogramm vermittelt Schulkindern Wissen rund um den Schulacker. 
 
Das Frühjahr ist normalerweise die Zeit, um die Äcker einzurichten und zu bepflanzen. Das bedeutet: Saatgut abwiegen, Setzlinge einpacken, freudige AckerKinder antreffen und ab ins Beet! Nur ist dieses Jahr aufgrund der CoronaPandemie alles ein wenig anders gekommen: Als im Frühjahr dieses Jahres das vom Landkreis München geförderte Bildungsprogramm GemüseAckerdemie startete, wurden die ersten beiden Pflanztermine im April und Mai an acht Landkreisschulen überwiegend ohne Kinder durchgeführt. Dafür haben engagierte Lehrerkräfte und sogenannte AckerCoaches zusammen mit der für Oberbayern zuständigen Regionalkoordinatorin der GemüseAckerdemie Silvia Mayr den Auftakt gemacht. 
 
Ziel des Programms ist es, die Wertschätzung von Lebensmitteln und das Verständnis für Landwirtschaft bei Kindern und Jugendlichen zu steigern. Das Projekt will ein Zeichen setzen gegen den Wissens- und Kompetenzverlust im Bereich Lebensmittelproduktion, der Entfremdung von der Natur und ungesunde Ernährungsgewohnheiten sowie Lebensmittelverschwendung.
 
An den bisherigen Terminen nahmen die Grundschule in Baierbrunn, die MaxMannheimer Mittelschule in Garching, die Grund- und Mittelschulen in Hohenbrunn, die Grund- und Mittelschule in Kirchheim, die Friedrich-vonAychsteter Grundschule in Sauerlach, das Sonderpädagogische Förderzentrum der Hachinger Tal Schule in Unterhaching sowie die Grundschule in Unterföhring teil. 
 
Umfangreiche Unterstützung durch die GemüseAckerdemie mit variabler Projektumsetzung an Schulen 
 
„Gärtnererfahrung müssen Lehrerinnen und Lehrer gar nicht unbedingt mitbringen“, so Silvia Mayr. „Wir liefern die fachliche Expertise, deshalb kommt es uns vor allem auf die Begeisterung der Lehrkräfte an.“  Die GemüseAckerdemie unterstützt die Lehrkräfte mit einem umfangreichen Service: Dieser beginnt mit einem Vor-Ort-Termin des Ackerdemia-Teams, um eine geeignete Fläche zum Ackern zu finden, die mindestens 40 Quadratmeter groß und in Schulnähe gelegen ist. Die Bauhöfe der beteiligten Gemeinden haben bei der Ackereinrichtung oft sehr gute Unterstützung geleistet. Ackerdemia stellt dann das Saat- und Pflanzgut zur Verfügung. Verwendet werden bis zu 30 samenfeste Sorten aus ökologischer Züchtung, die in mehrjähriger Fruchtfolge gesät und gepflanzt werden. Wie das Projekt dann konkret umgesetzt wird, ist von Schule zu Schule verschieden. Meistens engagieren sich die interessierten Schülerinnen und Schüler in Arbeits- oder Projektgruppen; teilweise wird das Ackern auch in den regulären Unterricht integriert. Dies geschieht dann in den unterschiedlichen Fächern wie z. B. Biologie, Mathematik oder Heimat- und Sachkunde. Dazu liefert Ackerdemia den Schulen verschiedenste Bildungsmaterialien, die wie ein Baukastensystem kombiniert werden können. Ergänzend zur praktischen Arbeit auf dem Schulacker wird in den Schulstunden dann konkretes Ackerwissen wie „Was braucht Gemüse zum Wachsen?“ und globales Wissen wie „Umweltauswirkungen beim Transport von Gemüse“ vermittelt.  Unterstützung erhalten die Schulen auch bei der Ferienbetreuung der Schuläcker und der Ernte und Vermarktung des Gemüses. Ackerdemia hat dazu einen großen Fundus an Ideen, wie die Schülerinnen und Schüler dies gut umsetzen können. 
 
Umweltfreundlich und nachhaltig 
 
Zu den drei Pflanzterminen im April, Mai und Juli unterstützen AckerCoaches die Lehrkräfte und Schülerschaft ganz praktisch und mit viel Fachwissen vor Ort. Begleitend dazu erhalten sowohl die AckerCoaches als auch die Lehrerinnen und Lehrer mehrere Fortbildungen – derzeit als Live-Webinare – sowie regelmäßige AckerInfos per E-Mail. Saisonale Besonderheiten wie Schädlinge, Trockenheit und Unkräuter sind Themen, die ebenfalls aufgegriffen werden. Insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass bei der GemüseAckerdemie keine chemischen Pflanzenschutzmittel und mineralischer Dünger eingesetzt werden. Ziel ist es, die Pflanzen durch Nützlinge zu schützen und durch häufigeres Hacken den Wassereinsatz zu reduzieren.
 
Das langfristige Ziel des Bildungsprogramms GemüseAckerdemie ist es, dass die Schulen nach zwei bis drei Jahren ihren Schulacker eigenständig bewirtschaften können. Dabei zeigt sich gerade jetzt in Zeiten der Corona-Pandemie, wie wertvoll und wichtig das Thema Selbstversorgung ist. 
 
Weitere Informationen zur GemüseAckerdemie gibt es unter www.gemueseackerdemie.de oder im Landratsamt München bei der Ernährungsberaterin Anne Kösler unter der Telefonnummer 089/6221-2702.

 

30.06.2020

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