Wie kann Wärme in der Gemeinde künftig effizient, klimafreundlich und bezahlbar bereitgestellt werden?
Mit dieser Frage beschäftigt sich die „ARGE Geothermie und Wärmewende“, zu der sich Aying, Brunnthal, Grasbrunn, Hohenbrunn, Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Neubiberg, Putzbrunn und Taufkirchen bereits im Juli 2023 zusammengeschlossen haben. Das gemeinsame Ziel: die Wärmeversorgung nicht nur lokal, sondern auch gemeindeübergreifend neu zu denken und Synergien zu nutzen. In diesem Rahmen arbeiten alle beteiligten Gemeinden aktiv an der seit 2024 gesetzlich vorgeschriebenen kommunalen Wärmeplanung.
Am 24. Juni präsentierte RIWA GmbH & Friends dem Gemeinderat und den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern die Ergebnisse der Bestandsanalyse der kommunalen Wärmeplanung, die einen Einblick in die aktuelle Versorgungssituation und einen Ausblick auf die für Wärmenetze geeigneten Gebiete gibt.
Ergebnisse der Bestandsanalyse
Für die Ist-Analyse wurden die Daten aller Gebäude systematisch erfasst und analysiert. Untersucht wurden dabei unter anderem der aktuelle Wärmebedarf, die Baualtersklassen, die Wärmebedarfsdichte sowie Daten aus dem Zensus. Auch vorhandene Studien zu geplanten Wärmenetzen flossen in die Analyse ein.
In der Gemeinde gibt es insgesamt rund 1.989 Gebäude, davon entfallen 96 Prozent auf Wohnhäuser. Diese verursachen mit 77 Prozent den größten Teil des Wärmeverbrauchs. Gewerbe- und öffentliche Gebäude machen nur einen kleinen Anteil am Gebäudebestand aus, verursachen jedoch zusammen über 20 Prozent des Gesamtverbrauchs. Etwa 78 Prozent des Wärmeverbrauchs in der Gemeinde werden aktuell noch durch fossile Energieträger gedeckt. Über 950 Gebäude sind an das Erdgasnetz angeschlossen. Bestehende Nahwärmenetze versorgen bereits heute die Winklergründe in Neukeferloh, die Freiwillige Feuerwehr, den Dorfladen und das Kinderhaus in Harthausen, das ehemaligen Kuglergelände in Grasbrunn sowie Möschenfeld.
Für die weiteren Schritte wurden die für Wärmenetze geeigneten Gebiete und sogenannte Fokusgebiete definiert, die durch einen besonders hohen Wärmebedarf und eine große Anzahl an potenziellen Abnehmern gekennzeichnet sind.
Fazit
Weite Teile des Gemeindegebiets sind für Wärmenetze gut geeignet. Für Neukeferloh hat die Anbindung von Schule, Sporthalle und Bürgerhaus einen hohen Stellenwert. Für Keferloh gilt es zu prüfen, welche Möglichkeiten sich in Zusammenhang mit den geplanten Windkraftanlagen ergeben, ob die Digitaldruckerei integriert werden kann und ob auch Abwärme für die Energieversorgung eingebunden werden kann. In Grasbrunn besteht vor allem im Seniorenwohnheim „Am Wiesengrund“ und der angrenzenden dicht bebauten Wohnsiedlung ein hoher Wärmebedarf. In Harthausen kann auch die Einbindung des bestehenden Nahwärmenetzes am Feuerwehrhaus bedacht werden.
Die nächsten Schritte im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung
Nach Abschluss der Bestandsanalyse kann jetzt in der folgenden Potenzialanalyse die nähere Untersuchung der Fokusgebiete und die Prüfung zusätzlicher dezentraler Versorgungsmöglichkeiten in Angriff genommen werden. Auf dieser Grundlage wird bis voraussichtlich Ende 2025 die umfassende kommunale Wärmeplanung für die Gemeinde Grasbrunn fertiggestellt und dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt.
Umfrage der Gemeinde zum Interesse an Wärmenetzen läuft weiter
Um parallel frühzeitig das Interesse an einer nachhaltigen Wärmeversorgung zu erfassen, hat die Gemeinde Grasbrunn bereits im Mai eine eigene Umfrage unter Haus- und Wohnungseigentümern gestartet. Bereits jetzt haben sich rund 300 Haushalte beteiligt und in diesem frühen Stadium ihr Interesse an einer regenerativen Wärmeversorgung bekundet. Die Umfrage der Gemeinde ist als laufender Prozess zu sehen, alle Haus- und Wohnungseigentümer können sich weiterhin unkompliziert online beteiligen. Die Ergebnisse fließen fortlaufend in die weitere Planung ein.
Hintergrund: Was ist die kommunale Wärmeplanung?
Seit 2024 sind Kommunen gesetzlich verpflichtet, eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen. Dabei wird untersucht, wo regenerative Energien sinnvoll eingesetzt werden können. Die kommunale Wärmeplanung wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert. Bis 2030 sollen 50 Prozent der Wärme in Gebäuden klimaneutral erzeugt werden, bis zum Jahr 2045 eine komplette CO2-Neutralität der Wärmeerzeugung in Gebäuden erreicht werden.
Was bringt die Kommunale Wärmeplanung für Bürgerinnen, Bürger und Kommunen?
Für Bürgerinnen und Bürger bringt die Wärmeplanung Klarheit, ob das Gebäude bereits jetzt bzw. in Zukunft in einem Wärmenetz-Versorgungsgebiet liegt und welche Möglichkeiten der Nutzung von regenerativen Energien (beispielsweise Grundwasser-Wärmepumpen) für das Grundstück bestehen. Was die kommunale Wärmeplanung hingegen nicht leistet: sie gibt keine direkte Empfehlung für einzelne Maßnahmen wie beispielsweise die Größe der benötigten Wärmepumpe.
Für die Kommune liefert das Ergebnis fundierte Informationen über vorhandene und potenzielle Wärmedaten, eingebunden in ein anschauliches geographisches Informationssystem (GIS).