Nach dem Beschluss zur Beteiligung an einer interkommunalen Bohrgesellschaft mit Vaterstetten, Zorneding und Haar im Juli 2023 folgte nun Ende Februar 2025 die Gründung der „Grasbrunner Netzgesellschaft mbH & Co. KG“. Die 100-prozentige Tochtergesellschaft der Gemeinde Grasbrunn wird ein Fernwärmenetz in den Gemeindeteilen Neukeferloh, Grasbrunn, Harthausen und gegebenenfalls auch Keferloh aufbauen. Möschenfeld verfügt bereits über ein eigenes Wärmenetz.
Der Netzausbau beginnt im nördlichen Teil von Neukeferloh im Gewerbegebiet Technopark, direkt an der Grenze zur Gemeinde Vaterstetten. Geplant ist der Bau eines Gebäudes zur Wärmeübergabe von Vaterstetten nach Grasbrunn sowie einer Anlage zur Redundanz- und Spitzenlasterzeugung mittels Gaskessel mit einer möglichen Gesamtleistung von bis zu 16 MW. Der maximale Anteil fossiler Energieerzeugung liegt im Vollausbau bei ca. 7 Prozent, während die restlichen 93 Prozent aus Geothermie gewonnen werden.
Geothermie als Schlüsseltechnologie
Geothermie zählt zu den bedeutendsten Wärmequellen der Erde und wird sowohl zur Beheizung von Einfamilienhäusern und Fernwärmenetzen als auch zur Stromerzeugung genutzt. Unter der Erdoberfläche verbirgt sich eine nahezu unerschöpfliche Energiequelle: die Erdwärme. Tatsächlich sind 99 Prozent des Erdinneren heißer als 1.000 °C, und selbst der verbleibende Anteil ist zu 99 Prozent wärmer als 100 °C. Die vorhandene Wärmeenergie unseres Planeten würde ausreichen, um den globalen Energiebedarf mehr als 2,5mal zu decken. Dennoch wird Geothermie bislang nur begrenzt genutzt – dabei stehen erprobte und wirtschaftliche Technologien bereits zur Verfügung.
Unter Geothermie versteht man die Nutzung von Erdwärme zur Gewinnung von Strom, Wärme und Kälte. Man unterscheidet zwischen oberflächennaher Geothermie bis zu 400 Metern Tiefe und Tiefengeothermie (> 400 m). Die meisten derzeit in Deutschland genutzten tiefen Geothermiebohrungen reichen von etwa 2.000 bis 3.500 Metern Tiefe.
Nord-Süd-Schnitt Voralpenland (Quelle: Enerchange)
IST-Zustand
Derzeit wird die benötigte Wärme zu ca. 85 Prozent aus fossilen Energieträgern erzeugt (laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie). Durch die Nutzung von Geothermie kann der CO₂-Ausstoß bis 2040 um ca. 88 Prozent im Vergleich zum heutigen Stand reduziert werden. Um die Treibhausgasneutralität des Wärmenetzes bis 2045 zu erreichen, müssen die fossilen Spitzenlastkessel bis dahin auf erneuerbare Brennstoffe umgestellt und der Strombezug auf Ökostrom umgestellt werden.
Ausbau
Für das künftige Wärmenetz werden Kunststoffmantelrohre als Einzelrohrsystem mit einem Mediumrohr aus Stahl verwendet. Die Netztemperaturen werden auf 85 °C im Vorlauf und 55 °C im Rücklauf festgelegt. Die Wärmeübergabe an die Abnehmer erfolgt über Wärmeübergabestationen.
Hinsichtlich der Ausbauziele wird eine Anschlussdichte von 70 Prozent im Endausbau angestrebt. Mit einer einzigen Dublette und einem vorläufig erwarteten „Grasbrunner“ Anteil von 6,4 MW an thermischer Leistung kann ein Wärmebedarf von 24,9 GWh (inkl. Netzverluste) gedeckt werden. Dies entspricht der Versorgung von 627 Anschlussnehmern, einer Netzlänge von 18,7 km und einer Gesamtanschlussdichte von 55 Prozent. Bei einem durchschnittlichen jährlichen Zuwachs von 160 Abnehmern und einem jährlichen Leitungsbau von 4,7 km kann dieser Teilausbau innerhalb von vier Jahren abgeschlossen werden.
Entwicklung Leistungs-/Wärmebedarf bei 1 Dublette (Quelle: Ing KESS GmbH)